Mineralsalze im Test – die Auswahl wird größer – wird sie auch besser?

Wer Osmosewasser nutzt kommt um den Zusatz von Mineralsalzen nicht herum. Diese härten das Wasser auf und fügen die nötigen Mineralien hinzu, die bestenfalls eine halbwegs „natürliche“ Umgebung schaffen sollen für die Tiere.

Lange waren lediglich die SaltyShrimp Salze verbreitet, die natürlich auch wir nutzten oder immer noch nutzen. Die Handhabung war entsprechend einfach – die nötige Menge Salz in den 5 Liter Kanister zum Osmosewasser, kräftig durchschütteln, Leitwert messen, ab ins Becken. Die einzige Ausnahme war das Sulawesi Salz 8,5. Aber dazu kommen wir später.

Seit einiger Zeit gibt es nun auch Salze der Firma Aqua Tropica, die unter dem Namen Refugium oder Michael Wolfinger’s Spezial Garnelen Salz in Erscheinung treten. Netterweise hat AT an die Garnelenhalter einige Proben versendet, wodurch auch wir einen ersten Testbericht erstellen können. 🙂

Erstmal vorweg – wir sind von vielen AT Produkten restlos überzeugt, daher haben wir uns auf den Testlauf mit den neuen Salzen sehr gefreut. Im Test waren das Refugium Davidisalz, das Pintosalz, Bienensalz und Sulawesisalz, sowie das Spezial Garnelensalz Tiger/Sakura mit PH 7,5.

Alle Caridina/Neocaridina Salze waren sehr gut löslich. Wir haben sie bewusst nur in einigen Becken eingesetzt, um einen eventuellen Unterschied zu den bisherigen Salzen erkennen zu können. Obwohl (bis auf das Tiger/Sakurasalz, welches einen höheren Leitwert und eine höhere Karbonhärte anstrebt) die neuen Salze relativ gleiche Werte wie die bisherigen erzeugen, konnten wir feststellen, dass die Tiere agiler und aktiver wurden. Bei den Pintomischern konnten wir sogar die ersten tragenden Weibchen ausmachen (nach einem dreiviertel Jahr), was natürlich auch Zufall sein kann (aber nicht muss 🙂 ). Auch die Tiger, die mit dem Yellow Fire Stamm das Tiger/Sakura Salz testen durften, waren viel mehr unterwegs – inklusive der Jungtiere, die sich bisher eher versteckt hatten. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Salze, durch die größere Anzahl an Zusätzen, offenbar eine sehr positive Wirkung haben.

Kommen wir zum Sulawesisalz. AT stellt nur eines her, mit einem PH Wert von 8,0. Ich gebe zu, ich war skeptisch, zumal wir einige sehr empfindliche Sulawesi Arten halten, die gemäß bislang verfügbarer Literatur nur im Saltyshrimp Sulawesi Mineral 8,5 überleben können, da in diesem alle nötigen Mineralien enthalten sind. Dieses Salz, wer es selber in Verwendung hat weiß es, ist allerdings etwas umständlich in der Handhabung. Entweder löst man es über Tage mit CO2 und muss es dann wieder belüften (was uns schon in Ermangelung einer CO2 Anlage nicht möglich war und auch etwas sehr aufwändig erschien), oder man löst es in heißem Wasser und gibt es dann ins Becken, wobei sich selbst da einiges an der verwendeten Schale angesetzt hat, was dann irgendwie ins Wasser gewaschen werden musste, fehlten doch sonst die wichtigen Inhaltsstoffe. Das Becken war im Anschluss ein paar Stunden trüb, was aber jetzt nicht groß störend war. Allerdings war das ganze für uns unstimmig, zumal diese Mischung ja ins bereits wieder mit Osmosewasser gefüllte Becken kam. Achten wir doch sonst immer darauf, den Tieren möglichst gleiche Werte zu bescheren, war es hier genau umgekehrt ….. Wir leeren reines Osmosewasser ins Aquarium, was den Leitwert natürlich je nach Wassermenge nach unten drückt (und das doch um ein ganzes Stückchen), anschließend leeren wir das gelöste Salz rein, was den Leitwert abrupt wieder nach oben schnellen lässt. Natürlich wird sich der Hersteller dabei was gedacht haben und vielleicht macht es den Tieren auch nicht wirklich was aus, wir konnten aber immer wieder Ausfälle nach Wasserwechseln feststellen und eine generelle Hektik bei den Tieren, die nicht dem „normalen“ Aufruhr nach Frischwasserzufuhr entsprach, sondern ein mal sogar dazu führte, dass eine Spinata beim kleinen Schlitz der Abdeckung rausgesprungen ist. Leider fanden wir sie erst Stunden später. 🙁 Dennoch hatte ich gerade bei diesen Tieren Angst das Salz zu wechseln. Die letzten zwei Ausfälle bewegten mich aber trotzdem dazu es zu versuchen. 🙂 Das AT Salz löst sich schnell und vor allem komplett auf. Ich mischte es einfach ins vorgewärmte Wechselwasser. Obwohl das Salz optisch eher in Richtung des bisherigen 8,5er Mineralsalzes geht, tritt keine Trübung des Wassers auf. Die Garnelen waren offenbar auch begeistert. Man konnte das erste mal „normales“ rumschwimmen feststellen, es gab keine Ausfälle und die Tiere wirken aktiver. Natürlich müssen wir das ganze noch auf längere Zeit beobachten, aber auch in diesem Becken zeigen sich die Jungtiere jetzt vermehrt.

Wir werden nun eine Zeit lang die Unterschiede beobachten (ist ja noch genug übrig von den alten Salzen), haben aber bereits jetzt eine Tendenz zu den AT Produkten. Preislich sind Saltyshrimp und Refugium relativ gleich und auch die Verpackungsgrößen sind ähnlich. Ein großes Danke an dieser Stelle an Michael Wolfinger und AT für die Proben, die uns diesen Test ermöglicht haben, die aber in keinster Weise „Schuld“ sind am positiven Ergebnis. 🙂

 

Update – leider nicht mehr positiv: Nach ungefähr einem Monat Testlauf hatten wir alle Becken, bis auf eines, auf die Refugium Salze umgestellt. Alles wirkte lange in Ordnung. Leider tauchten dann, nach ungefähr 6 Wochen die ersten Probleme auf. Zuerst in den Sulawesi Becken, dann auch in den anderen. Die Jungtiere kamen nicht mehr hoch oder besser gesagt, sie „verschwanden“ von einem Tag auf den anderen. Dann bemerkte man, dass auch die adulten Tiere weniger waren oder wurden. Gerade in Sulawesi Becken, mit vielen Versteckmöglichkeiten, denkt man sich anfangs noch nicht viel. Bis wir dann rigoros die Becken ausräumten und feststellen mussten, dass der Bestand teilweise bis auf ein zwei Tiere ausgelöscht war. Zwei dieser Becken liefen schon lange Zeit erfolgreich, mit unzähligen Jungtieren und sehr stabilen Stämmen. Die sofortige Rückumstellung auf das SaltyShrimp Salz bewirkte eine genauso sofortige Regeneration der Becken. Alle drei Sulawesi Becken liefen wieder mit stabilen Werten (der PH Wert schwankte vorher sehr) und es gab in der Folge keine neuen Ausfälle mehr. Das gleiche zeigte sich relativ bald darauf in den Neocaridina Becken. Ausfälle, übelste Gehäuseschäden an den Schnecken bis hin zu großen Löchern bei den Piano Schnecken, die praktisch „über Nacht“ entstanden sind. Natürlich sind sie das nicht, aber wahrscheinlich war dann irgendwann ein Punkt erreicht, an dem die Gehäuse durchbrachen. Weiter ging es im Pintobecken, in dem wir zumindest viele der Jungtiere mit zügigem Rückwechsel retten konnten. Hier zeigten die adulten Tiere große Häutungsprobleme. Teilweise fehlten Beinchen oder Teile vom Panzer, andere wirkten wie kurz vor der Häutung – und das über Tage. Im Moment wechseln wir alle Becken zurück auf SaltyShrimp bzw. testen wir gerade das flüssige Aufhärtsalz von GT essentials in den Bienenbecken, über das wir demnächst berichten werden. So viel allerdings vorweg – dieses Salz wurde zumindest lange genug erprobt bevor es auf den Markt kam, was möglicherweise beim Refugium nicht der Fall war. Leider schweigt sich der Hersteller zu näheren Fragen aus. Wir konnten lediglich erfahren, dass wohl neue und überarbeitete Chargen folgen sollen. Das hilft unseren Tieren leider wenig. Derzeit kämpfen wir damit, alle Stämme wieder stabil zu kriegen, wobei wir so viel schon sagen können – allen Garnelen, die es überstanden haben, geht es mittlerweile wieder gut. In wie weit sich die Schnecken wieder erholen werden kann man noch nicht sagen. Natürlich möchten wir auch hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass es sich bei all den Problemen um Zufälle handeln könnte. Aber in so vielen unterschiedlichen Becken, mit unterschiedlicher Laufzeit und unterschiedlichem Besatz, mit Importtieren und Nachzuchten, bei denen die einzige Gemeinsamkeit das neue Salz war, von Zufällen zu sprechen, fällt uns sehr schwer. Vor allem würde dann auch die Rückumstellung nicht zu sofortiger „Genesung“ führen. Sehr schade, dass dieser Test, der vielversprechend begonnen hat, so enden musste. Wir haben uns die letzten Wochen sehr viel mit Wasserchemie, nötigen und unnötigen Zusatzstoffen und Aufhärtesalzen beschäftigt. Wir haben einen sehr lieben Züchterkollegen, der davon sehr viel Ahnung hat und uns unermüdlich von Calcium/Magnesium Verhältnissen, von zu viel Chlorid und Sulfat, von Qualität der Zusatzstoffe usw. berichtet. Nachdem wir die genaue Zusammensetzung des Refugium Salzes nicht kennen, könnten wir nur mutmaßen was diese Auswirkungen hatte. Und wir hoffen immer noch, dass das alles nur Zufall war und nur uns betrifft. Vielleicht kriegen wir ja ein paar Erfahrungsberichte per Mail. Wir würden uns sehr freuen und das ganze natürlich vertraulich behandeln. Allerdings – so viel haben wir mittlerweile „gelernt“ – zeugt die überaus gute Lösbarkeit nicht von bester Qualität, sondern von erhöhtem Chlorid und Sulfat. Und genau das mögen Sulawesi Garnelen gar nicht. Die Gehäuseschäden deuten auf mangelndes Calcium hin, was auch die Häutungsprobleme erklären könnte. Aber müsste nicht ein Mineralsalz diese Werte optimal einstellen für die jeweiligen Bewohner? Viele, leider unbeantwortete, Fragen ……. wir werden auf alle Fälle weiter berichten!

Aus aktuellem Anlass weisen wir nochmals ausdrücklich darauf hin, dass dieser Testbericht lediglich die von uns gemachten Beobachtungen widerspiegelt. Selbstverständlich besteht die theoretische Möglichkeit, dass das Refugium Salz nicht Schuld ist an den Verlusten in unseren Becken. Wie bereits erwähnt, kann das natürlich alles auch Zufall sein. 😉